Die Versuche, hinter das Geheimnis der Verführung zu kommen, sind wahrscheinlich so alt wie die Zeit. Im Laufe der Jahre haben sich in dieser Hinsicht viele Konventionen und soziale Regeln geändert.
So war es lange gar nicht schicklich für eine Frau, einem Mann offensiv zu zeigen, dass sie ihn begehrt und ihn sodann aktiv zu verführen. Vielmehr war das aktive Umwerben und Bezirzen Sache der Männer. Trotzdem haben natürlich auch Frauen immer schon verführt – nur tendenziell auf subtilere, indirektere Weise als die Männer. Beim Stichwort 'Verführung des Mannes' denkt man unweigerlich an eine Inszenierung der Weiblichkeit anhand der Betonung einschlägiger Attribute durch zum Beispiel figurbetonte Kleidung, langes Haar, Make-up und hohe Absätze.
Verführung heißt jedoch nicht unbedingt, bewusst alle Register zu ziehen, um einen Mann für sich zu gewinnen. Sie kann auch unbeabsichtigt stattfinden: Fühlt sich ein Mann von einer eher zurückhaltenden Frau verführt, so kann das durch Reize geschehen, die diese Dame zwar besitzt – zumindest in den Augen ihres Betrachters -, die ihr aber gar nicht unbedingt bewusst sind und erst recht nicht mit Absicht ausgespielt werden müssen.
Fest steht, dass die Verführung viele Gesichter hat. Abgesehen davon, dass sie bewusst oder unbewusst stattfinden kann, ist es immer eine Frage der Persönlichkeit und des Geschmacks, wie frau verführt und wie die Lockrufe beim männlichen Gegenüber wirken. Eine pauschale Regel gibt es nicht. Einschlägige Ratgeber, die es massenhaft über die Kunst der Verführung gibt, kommen jedoch häufig auf den Konsens, dass man „ganz man selbst“ sein solle. Daraus ließe sich ableiten: Natürlichkeit und Selbstvertrauen verführen. Beides sind Eigenschaften, die sich nicht mal eben so umsetzen lassen wie etwa ein Ratschlag a la „Ziehen Sie sich sexy Unterwäsche an“. Verführung heißt demnach - abgesehen von dem Ausspielen optischer Reize und charmanter Gesten, die von Mann zu Mann unterschiedlich aufgenommen werden - vielmehr ein Bewusstsein über und ein Zufriedensein mit sich selbst. Zusätzlich zu den Flirtsignalen, die man dem männlichen Gegenüber sendet, soll man sich selber im Blick haben, um sich nicht in der Gefallsucht und der Konzentration auf den anderen zu verlieren. Denn: was in jedem Fall verführerisch wirkt, ist eine Frau, die weiß, wer sie ist und wie viel sie wert ist.
29. Juni